title

"what seems incomprehensible today, will speak to us tomorrow“

2012

stills from the video 3.35 min loop camera _editing_sound: Constanze Nowak

place of issue: Staatliche Kunstsammlung, Albertinum, Dresden

workdescribtion

In Ihrem Video erschloss Constanze Nowak dem Publikum neue Wege der Wahrnehmung. Während der Vorbereitung zur Ausstellung erkundete sie mit ihrer Kamera mehrererTage lang das Museum. Dabei richtete sie ihr Augenmerk nicht auf bestimmte Kunstwerke wie die Gemälde Caspar David Friedrichs oder die Figuren Auguste Robins. Aus dem unerschöpflichen Fundus von Motiven wählte Nowak diejenigen aus, die das Museum als einen lebendigen Organismus erscheinen lassen, in dem Architektur, Kunst und das Publikum wie in einem Orchester zusammenspielen. Das Interesse der Künstlerin galt allerdings nicht dem Abbilden des Museums bei laufendem Betrieb; es waren vielmehr Impressionen, die sie mit der Kamera einfing: Bewegungen der Besucher, Ausschnitte von Glastüren, die sich öffneten und wieder schlossen und dabei kleine Lichtspiele erzeugten; changierende Bilder, die sich ergaben, als die Künstlerin aus dem fahrenden Aufzug die gegenüberliegende Wand des Lichthofs filmte. Die fortlaufenden Filmsequenzen wurden hier und da von skizzenhafter Fotografie unterbrochen. Auf einer dieser Aufnahmen war eine Leuchtschrift zu sehen, die sich in einer Glasscheibe spiegelte, hinter der sich schemenhaft der Umriss einer Skulptur abzeichnete. Andere Fotos zeigten das Relief einer Säulenbasis in der Skulpturenhalle, den unscheinbaren Spalt zwischen einer Treppe und dem Gehäuse eines Fahrstuhls, der in der Nahaufnahme wie ein Bild mit graphischen Ornamenten wirkte, oder durch starkes Zoomen fokussierte Lichtbrechungen an der Kante einer Glastür, die an die abstrakten Streifenbilder Bridget Rileys oder Gerhard Richters erinnerten. Constanze Nowak lenkte den Blick auf ungewohnte Perspektiven, Details und Zwischenräume, die dem Kunstgenuss konzentrierten Besucher des Museums normalerweise verborgen bleiben. Dabei entstanden künstlerisch eigenständige Bilder und Bildsequenzen voller Poesie.

Verena Schneider, Kunsthistorikerin

In her video, Constanze Nowak opened new ways of perception for the audience. During the preparation of the exhibition, she explored the museum with her camera for several days. In doing so, she did not direct her attention to certain works of art such as the paintings by Caspar David Friedrich or the figures of Auguste Robin. From the inexhaustible fund of motifs, Nowak selected those that allow the museum to appear as a living organism in which architecture, art and the audience play together like in an orchestra. However, the artist’s interest was not in depicting the museum while it was in operation; it was rather about catching impressions that she captured with the camera: movements of the visitors, sections of glass doors that opened and closed again, creating small plays of light; changing images that arose when the artist filmed the wall of the atrium opposite from the moving elevator. The ongoing film sequences were interrupted here and there by sketchy photography. One of these photographs showed neon writing that was reflected in a pane of glass, behind which the outline of a sculpture emerged. Other shots showed the relief of a column base in the sculpture hall, the inconspicuous gap between a staircase and the housing of an elevator, which looked like a picture with graphic ornaments in the close-up, or focused light refractions on the edge of a glass door that adjoined the reminiscent of abstract stripes by Bridget Riley or Gerhard Richter. Constanze Nowak drew attention to unusual perspectives, details and spaces that normally remain hidden from the museum’s regular art display. This created artisticall picture sequences full of poetry.

 

Verena Schneider, art historian